Kompositionen für Blasorchester und fürs Publikum

Hauptberuflich ist er Dirigent, nebenbei hat er allerdings auch das Komponieren für sich entdeckt. Rainer Serwe schreibt Stücke, die tief in der Sinfonischen Blasmusik verwurzelt sind, aber doch auch die ein oder andere Überraschung beinhalten – gerade für die Schlagzeuger.

Der Grund dafür ist naheliegend: Auch Serwe ist Schlagzeuger aus tiefster Überzeugung. Deswegen hat er auch immer besondere Freude daran, in seinen Kompositionen auch mehr Schlagzeuger zu besetzen, als man normalerweise in der Sinfonischen Blasmusik findet – und er kann es auch einfach machen. „Das ist der große Vorteil daran, dass ich erst ein Stück schreibe, bevor ich es einem Verlag anbiete“, grinst Serwe. „Der Verlag kann mir keine Vorgaben machen. Wenn ich finde, dass ein Stück sieben Schlagzeuger braucht, dann komponiere ich es auch für sieben Schlagzeuger.“ Sofern ein Orchester nicht genug Schlagzeuger habe, müsse der Dirigent eben ein paar Stimmen streichen. „Aber es wäre einfach schade, wenn ich mich schon beim Komponieren einschränke und ein Orchester vielleicht die Menge an Musikern hat, die ich gerne besetzen würde, und am Ende ein paar Musiker nicht mitspielen können.“ Diese Freiheit hat Serwe deswegen, weil er seinen Lebensunterhalt nicht mit Komponieren verdient. Für ihn ist es wie ein Hobby – hauptberuflich ist er Dirigent. Das Komponieren kam nach und nach dazu. „Ab und zu war es nötig, ein Werk umzuschreiben oder anders zu arrangieren. Und irgendwann dachte ich mir, ich versuche auch selbst einmal etwas zu schreiben.“ Das war vor über zehn Jahren. Mittlerweile sind etwa zehn bis zwölf Stücke entstanden, genau kann Serwe das selbst nicht sagen. Er genießt es auch sehr, Zeit zum Komponieren zu haben. „Da kann ich mich voll auf das Stück konzentrieren, und erst, wenn ich damit zufrieden bin, ist es fertig.“ Besonders wichtig ist ihm dabei, dass jedem die Stücke gefallen. „Ich habe die Zuhörer und die Musiker im Blick. Es soll beiden Spaß machen, wenn ein Stück gespielt wird. Natürlich muss es auch mir gefallen“, lächelt er.

Zur Musik kam Rainer Serwe ganz direkt über seine Familie, denn sein Vater spielte in einem Verein Klarinette. „Mein Bruder und ich waren von Anfang an auf Konzerten mit dabei“, erzählt Serwe. „Seine Auftritte waren dann oft ein Familienausflug.“ Klar, dass sich Serwe und sein Bruder schon früh für Musik interessierten und auch schon bald Unterricht bekamen. „Wir hatten von meinem Großonkel eine Heimorgel bekommen“, erinnert sich Serwe. Der große Bruder von Serwe erhielt dann Unterricht auf dem Instrument. „Für mich war das unglaublich faszinierend. Ich habe dann so lange gequengelt, bis ich auch Unterricht bekommen habe“, lacht er. Damals war Serwe vier Jahre alt. Doch sehr bald interessierte er sich auch für das Schlagwerk – in Form von einer Blechtrommel, die er mit sieben oder acht Jahren erhielt. „Ich bin damit über die Wiese marschiert und habe getrommelt“, erinnert er sich. Bis er allerdings im Orchester am Schlagwerk Platz nehmen durfte, dauerte es etwas: Denn sie hatten schon einen Schlagzeuger. „Ich habe dann Trompete gelernt. Aber als der Schlagzeuger krank wurde, durfte ich einspringen“, lacht Serwe. Auch in anderen Orchestern half er am Marimbaphon und Xylophon aus. Dabei kam er auf seinen Berufswunsch, Dirigent zu werden. „Am Schlagzeug hatte ich viel Gelegenheit, die jeweiligen Dirigenten zu beobachten“, berichtet er. „Dann habe ich mich gefragt: Wie würde ich das machen? Was würde ich vielleicht anders machen?“ Nach den D-Kursen, die er im Rahmen seiner musikalischen Ausbildung im Musikverein absolvierte, entschloss er sich dazu, noch die C-Kurse zum Stimmführer und zum Dirigenten zu machen. Mit nur 18 Jahren übernahm er sein erstes Orchester, den Musikverein Rittersdorf. „Beim Probendirigieren musste mich mein Vater fahren, weil ich noch keinen Führerschein hatte“, schmunzelt Serwe. Doch sein junges Alter machte dem Orchester nichts aus. „Alle waren sehr offen“, erinnert sich Serwe. „Dafür bin ich auch sehr dankbar.“ Die Entscheidung für das Studium des Blasorchesterdirigats führte ihn ins Ausland, nach Maastricht. „In Deutschland wurde dieser Studiengang nur in Augsburg angeboten, da lag Maastricht näher“, erklärt Serwe diese Entscheidung, „außerdem habe ich zu dem Zeitpunkt schon mehrere Orchester dirigiert. Die wollte ich nicht aufgeben.“ Zurzeit ist er in den Endzügen seines Zweitstudiums in Köln, wo er künstlerischen Tonsatz studiert. Doch sein Leben findet in Bitburg statt. „Ich mag es einfach hier“, erklärt Serwe. „Vielleicht zieht es mich irgendwann woanders hin, aber für den Moment fühle ich mich hier sehr wohl.“ Serwe dirigiert hier nicht nur neben einigen Projektorchestern den Musikverein Welschbillig, die Harmonie Ettelbrück und das Kreisorchester Trier-Saarburg, sondern ist auch als Gastdirigent unterwegs. Das gefällt ihm sehr, da er sich hier immer wieder auf das konzentrieren kann, was seine Arbeit als Dirigent ausmacht. „Eigentlich sollte man sich immer intensiv mit einer Partitur beschäftigen, aber im eigenen Stammorchester weiß man schon in etwa, welche Stellen man besonders oder auch kaum proben muss. Das macht es gefährlich, weil man sich mit manchen Stellen nicht mehr so sehr auseinandersetzt, wie man es eigentlich sollte“, beschreibt Serwe das Problem daran. „Da hilft es, manchmal ein anderes Orchester zu leiten.“ Auch das Komponieren hilft ihm in seiner Arbeit als Dirigent, hat er festgestellt. „Es ist sehr interessant: Dadurch, dass ich komponiere, bekomme ich neue Einblicke in die Partituren und kann manche Zusammenhänge besser verstehen. Und durch das Dirigieren komponiere ich auch anders, weil ich sehr viel Repertoire kennenlerne, das mich natürlich auch beeinflusst.“

Seine ersten Stücke hat Rainer Serwe in seinen eigenen Orchestern uraufgeführt, darunter auch „Aspects of Life“, sein erstes Werk, das 2007 beim Kompositionswettbewerb des Landesmusikverbandes Baden-Württemberg den dritten Platz erreichte. „Das Stück ist damals deutlich länger geworden als ich dachte“, erinnert sich Serwe lächelnd. „Das war plötzlich zwölf Minuten lang. Ich wurde einfach nicht fertig.“ Der Titel zu diesem Werk kam ihm deshalb, weil die verschiedenen Teile des Stückes sehr unterschiedlich sind, sich aber trotzdem zu einem großen Ganzen zusammenfügen. Oft sind bei Serwes Werken die Musik und der Titel eng verknüpft, vor allem, wenn es sich um Programmmusik handelt. Ein Beispiel hierfür ist „Seven Sketches of a Fairytale“. Hier hat Serwe das Märchen „Rumpelstilzchen“ in sieben Abschnitten vertont. Ähnlich ist es auch bei dem Werk, an dem er aktuell arbeitet. „Es soll eine Sternzeichen-Suite mit insgesamt 12 Sätzen werden“, verrät er. Den ersten Satz kann man bereits auf seinem YouTube-Kanal anhören. Typisch für Serwes Werke ist auch ein traditionell sinfonischer Ansatz. „Ich verwende wenige Elemente neuer Musik und auch selten außergewöhnliche Spieltechniken“, erklärt Serwe. Das ist eine sehr bewusste Entscheidung, ebenso wie die Entscheidung, sich kompositorisch hauptsächlich im Bereich der Blasorchester zu bewegen. „Ich komme aus der Szene und schätze den Klang sehr. Aber ich würde mir auch beispielsweise ein Klavierkonzert nicht zutrauen – ich bin einfach kein Pianist.“ Auch in Zukunft möchte er weiter im Bereich der Blasorchester und des Schlagwerks bleiben. Natürlich sei da aber nichts ausgeschlossen. „Für mein Studium in Köln wage ich mich demnächst an ein Stück für Marimba und Euphonium“, verrät Serwe. Es wird also immer weiter gehen, mit Freude an der Musik und einer Menge Schlagzeug.

Alle Werke von Rainer Serwe sind im Musikverlag Frank in der Schweiz verlegt.
Mehr Informationen unter www.musikverlag-frank.ch

blasmusik Ausgabe 07-2021 | Autor: Monika Müller
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